Die Kulturgeschichte des Gürtels

Der Gürtel scheint für uns heute ein selbstverständliches Kulturgut darzustellen. Dabei hat er sich über Jahrhunderte verändert, wurde zeitweise geschmäht und ist erst heute ein generell verbreitetes Modeaccessoire, welches in den verschiedensten Farben und aus diversen Materialien hergestellt wird.

Eine der frühesten Fund von gürtelähnlichen Kettenglieder oder Metallschnüren wurde in Gräbern der Bronzezeit gefunden. Hier gab es also bereits Bedarf die Kleidung um die Hüfte zu festigen und gleichzeitig eine Art Schmuck und Handwerkskunst zu tragen. Eine Gürtelschnalle besaßen die bronzezeitlichen Modelle allerdings noch nicht. Dafür gab es einen recht einfachen Gürtelhaken, mit dem man beide Enden des Gürtels ineinander verhakte.

Der Gürtel als Statussymbol

Erst in der Zeit des römischen Imperiums kam die Gürtelschnalle zum Gürtel. Gerade die Gürtelschnalle war ein hervorragender Ort, um Kostbarkeiten wie Edelsteine und reichliche Verzierungen zur Schau zu stellen. Vielleicht stand der Gürtel aus diesem schmückenden und prahlerischen Schnallenbesatz heraus ja auch im Mittelalter für Kraft und Herrschaft. Wenn der Reichtum am Gürtel zur Schau getragen wird, dann ist das eine sehr klare Veranschaulichung des eigenen Status in der Gesellschaft.

Später übernimmt diese Art der Statusschau die Schärpe, welche als breites Band quer um den Oberkörper geschlungen wurde. Hierauf konnten militärische Abzeichen, welche den gesellschaftlichen Status ebenfalls für alle sichtbar präsentierten, angebracht werden. Die Schärpe ist heutzutage noch in abgewandelter Form in zahlreichen Trachten als Bauchbinde zu finden – so zum Beispiel in der griechischen Folklore.

Der Gürtel als Staufach

Aber zurück zum Gürtel: Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Gürtel auch immer funktionaler verwendet. So konnten Frauen wie Männer zum Beispiel Messer und Trinktassen oder ähnlich praktisches am Gürtel festmachen. Die Frauen trugen diese Utensilien zumeist unter dem obersten Rock, also nicht gleich für alle sichtbar.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Gürtel plötzlich aus der Mode geraten und sollte erst etwa Ende des Jahrhunderts wieder gefallen bei den Damen finden. Gleichzeitig machte der Hosenträger bei den männlichen Zeitgenossen dem Gürtel starke Konkurrenz. Doch sollte sich diese Mode auch langsam wieder legen und bereits 1890 waren in den USA auch wieder Gürtel beliebter als Hosenträger. Die Hosenträger sind zwar in den letzten Jahren für eine kleine modisch-nostalgische Gruppe wieder interessant und beliebt geworden, aber dass sich dieses Gummigespann nochmals gegen den Gürtel durchsetzen sollte ist wohl kaum zu erwarten.

Gürtel heute

Heutzutage ist der Gürtel in den meisten Teilen der Erde entweder eine rein funktionale Angelegenheit oder man trägt ihn aus modischen Gründen nach seinem Geschmack gestaltet. Manchmal trifft auch beides zu, Mode und Funktionalität. Doch ist der Gürtel heutzutage, so schön er auch gestaltet sein mag, seiner Symbolkraft, seine Repräsentationsfunktion enthoben. Dies gilt aber sicherlich für fast alle Kleidungsstücke, die in vorherigen Jahrhunderten Macht und Kraft symbolisieren sollten. Trotz alle dem: Die Eleganz eines schönen Ledergürtels bleibt unter Kennern beliebt und hält auch so mancher schnelllebigen Gürtelmode mit Glitzerelementen stand.

Bildbeispiele für die verschiedenen Anwendungen von Gürteln heute haben wir in diesem Beitrag zusammengestellt.

This entry was written by Julian , posted on Dienstag Januar 10 2012at 12:01 pm , filed under Allgemein and tagged , , , , , . Bookmark the permalink . Post a comment below or leave a trackback: Trackback URL.

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